Hexenverfolgung

im Lippischen Südosten

Hexenverfolgungen – das gehört doch ins finstere Mittelalter! – Nein, in  der frühen Neuzeit griff der Hexenwahn um sich, dem im besonderen Maße Frauen zum Opfer fielen. Im Lippischen Südosten sind zum Glück nur wenige Hinrichtungen zu beklagen.  Ilse Winter und Gese Henneke  aus Donop und Catharina Hilker aus Kleinenmarpe wurden in Blomberg angeklagt und hingerichtet. Der Prozess begann mit Ilse Winter, die als ledige Frau auf dem Hof ihrer Schwester in Donop lebte. Sie hatte eine nichteheliche Tochter, beide lebten als Tagelöhnerinnen. Ilse Winter wurde lange Zeit als Hexe bezeichnet. Als  die Verleumdungen immer schlimmer wurden, bat sie um einen Prozess, damit das Gerede ein Ende habe, sie könne sich nirgends mehr zeigen. Sie selbst erstattet also Klage wegen Verleumdung. Im Lauf des Prozesses wendet sich das Blatt und sie selbst wird zur Angeklagten. 18 Anklagepunkte werden aufgeführt. Sie bekennt sich als „nicht schuldig“. Jedoch unter der Folter gesteht sie alles, was man ihr zur Last gelegt hatte. Dabei nennt sie einige Namen von weiteren vermeintlichen Hexen. Zweien von ihnen wird ebenfalls der Prozess gemacht: Gese Henneke und Catharina Hilker.
Im April 1589 erfolgte das Urteil: „vom Peinlichen Richter sei für Recht verkannt, das die Beklagten wegen ihrer Missetaten mit dem Feuer vom Leben zum Tode von Rechts wegen hinzurichten seien. Blombergs Burgverlies.“
Insgesamt wird in Europa mit ca.       60 000 Opfern des Hexenwahns          gerechnet.
In Lippe sind es ungefähr 500. In Lemgo gibt es Prozessakten zu 209 Verfahren, in der übrigen Grafschaft zu 221 Verfahren. Im Blomberger Raum kam es zu drei weiteren Prozessen und etlichen Klagen, die vor den Gogerichten verhandelt wurden.
Als Christen und Vertreterinnen der Kirche interessiert uns heute, wie konnte es dazu kommen, dass getaufte Christen als Hexen oder Zauberer hingerichtet wurden, quasi wie Häretiker und Ketzer behandelt wurden? Es wurde deutlich, dass die damalige Zeit von einer sehr großen Angst vor dem Teufel geprägt war. Magische Vorstellungen, Teufelsbundmythen prägten das Denken – so wie wir uns das heute kaum noch vorstellen können. Dabei gab es auch damals schon Christen und Theologen, die mit der Bibel gegen die wahnhaften Vorstellungen und ihre grausamen Folgen argumentierten. Einer war Anton Prätorius, 1560 in Lippstadt geboren, der 1598 ein Buch gegen den Hexenwahn geschrieben hat. Seine Hauptargumente wurzeln in der theologischen Grundeinsicht, dass Gott allen Menschen, wie sündig sie auch immer geworden sein mögen, barmherzig begegnet. Weshalb Hexen und  Zauberer nicht hinzurichten seien. Denn Gott freut sich nicht am Tod des Sünders, sondern an seiner Umkehr und seinem Leben.
Ausgehend von der Auseinandersetzung mit den oben beschriebenen historischen Gegebenheiten haben die unten aufgeführten Personen in diesem Jahr folgende Erklärung verfasst:
„Blomberger Theologische Erklärung  Unzerstörbare Menschenwürde
Wir glauben, dass Gott jeden Menschen als sein geliebtes Kind ansieht, und dass er dies im Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi deutlich gemacht hat.     
Wir glauben, dass Gott keinem Menschen die Gotteskindschaft aberkennt; ihm allein steht das Urteil über einen Menschen zu.     
Wir glauben, dass Gott die gerechte Behandlung eines jeden Menschen und die Anerkennung seiner unzerstörbaren Würde von uns fordert. Die Frauen, Männer und Kinder, die als vermeintliche Hexen und Hexenmeister gedemütigt, entehrt, gefoltert und hingerichtet wurden, sind Opfer eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit und des Missbrauchs des christlichen Glaubens geworden. Voller Scham und Erschrecken denken wir an ihre Leidensgeschichte. Ihnen wollen wir ein ehrendes Gedenken bewahren. Die Menschenwürde der Opfer ist unzerstörbar. Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen weder diskriminiert noch verteufelt noch unschuldig verurteilt werden. Wir unterstützen die weltweiten Bemühungen, die Folter und die Todesstrafe in jedem Land abzuschaffen.
Für die Verwirklichung der Menschenrechte treten wir ein.

Blomberg, 13. Mai 2012“ 

Hermann Donay, Pastor; Dr. Martin Dutzmann, Landessuperintendent; Klaus Fussy, Dechant; Uwe Hanis, Pastor; Bettina Hanke-Postma, Pastorin; Martin Hankemeier, Pastor; Monika Korbach, Bildungsreferentin; Hans Günter Voß, Pastor

Der Text dieser Erklärung stand im Mittelpunkt des Gottesdienstes zur „Unzerstörbarkeit der Menschenwürde“ am 11.11.2012 in der Klosterkirche Blomberg.

Ihre     

Bettina Hanke-Postma

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